Die Bundeswettbewerbsbehörde untersucht zurzeit im Rahmen einer Sektorenanalyse den heimischen Fernwärmemarkt. Aus gutem Grund, denn die Preisunterschiede sind enorm, wie eine aktuelle Analyse des Beraternetzwerks KREUTZER FISCHER & PARTNER zeigt.
[Wien | 27.08.2025] Was bei Lebensmitteln noch nicht funktioniert gibt es bei Fernwärme bereits seit Ende 2023: eine lückenlose Transparenzdatenbank zu Preisen und Vertragskonditionen. Wärmeversorger mit mehr als 20 Endverbrauchern sind gesetzlich verpflichtet, ihre aktuellen Tarifkonditionen monatlich bekanntzugeben. Die Ergebnisse können unter www.waermepreise.at abgerufen werden. Gehostet wird die Website vom Bundesministerium Wirtschaft, Energie und Tourismus.
Für den Preisvergleich haben KREUTZER FISCHER & PARTNER mehr als 900 Endkundentarife für Fern- und Nahwärme ausgewertet. Berechnet wurden die standardisierten Jahreskosten für eine Wohneinheit mit 75 Quadratmeter Nutzfläche sowie 8 kW Verrechnungsanschlusswert, inklusive 20 Prozent Umsatzsteuer. Zudem wurde zwischen Bestandstarifen und Tarifen für Neukundenanschlüsse unterschieden. Bei Bestandstarifen wurden alle aktiven Tarifmodelle berücksichtigt, bei Tarifen für Neuanschlüsse nur jene, die für Neuanschlüsse offen sind.
Fast 270% Preisunterschied bei Bestandstarifen
Demnach liegt bei Bestandstarifen der Preisunterschied zwischen dem österreichweit günstigsten und höchsten Tarif bei nahezu 270 Prozent. Im Burgenland beziehen einige Kunden Fernwärme bereits um 437 Euro im Jahr, in Wien zahlen andere für die gleiche Leistung 1.602 Euro.
Bei Neuanschlüssen ist die Differenz zwischen den Höchst- und Tiefstpreisen mit 170 Prozent geringer, jedoch nur weil das mittlere Preisniveau höher ist. Den preiswertesten Tarif gibt es in Kärnten, mit Jahreskosten von 588 Euro, am teuersten ist abermals Wien mit 1.602 Euro.
Nimmt man es genau, ist die Preisspanne in beiden Fällen noch deutlich breiter, zahlen doch die Kunden der FWG-Fernwärmeversorgung Türnitz (NÖ) lediglich 210 Euro im Jahr. Da es sich dabei aber um einen wahren „Diskontpreis“ handelt, wurde dieser Tarif aus dem Vergleich ausgeschlossen.
Die massiven Preisunterschiede sind insofern von enormer Bedeutung, da anders als bei Strom oder Gaslieferungen ein Wechsel des Anbieters nicht möglich ist. Der Bezug ist an das vor Ort verfügbare Fernwärmenetz gebunden, das in der Regel im Besitz des Wärmelieferanten ist. Eine Verpflichtung konkurrenzierende Wärmeanbieter das Leitungsnetz nutzen zu lassen gibt es nicht. Fern- und Nahwärme ist daher ein Markt vieler mehr oder weniger großer territorialer Monopole. Insbesondere wenn – wie etwa im Wiener Neubau – der Anschluss an ein Fernwärmenetz behördlich vorgeschrieben werden kann, wird das für Verbraucher mitunter zu einer teuren Angelegenheit. Von allen Bundesländern hat Wien das mit Abstand höchste Preisniveau, sowohl bei Bestandverträgen, als auch bei Neuanschlüssen.
Tabelle:

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