Die Nachfrage nach Glücksspiel & Sportwetten wächst 2011 insgesamt um zwei Prozent geg. VJ. Die Spiel- und Wetteinsätze steigen auf € 14,2 Milliarden, der Umsatz der Anbieter auf knapp € 1,5 Milliarden.
Innerhalb des Marktes entwickeln sich die Spielarten aber gegensätzlich. Während etwa der Spieleinsatz für Lotterie-Glücksspiele gegenüber 2010 um 18 Prozent wächst, erheben wir für Automaten/VLT (Kleines Glücksspiel/Video-Lotterie-Terminals) einen kräftigen Rückgang um rund 16 Prozent auf nunmehr knapp € 3,7 Milliarden (Anbieterumsatz € 395 Mio). Die rückläufige Entwicklung im Automaten-Glücksspiel ist die Folge eines rasch schrumpfendes Angebots, nicht zuletzt wegen der verstärkten Verfolgung von illegalem Glücksspiel durch die Finanzverwaltung (SOKO Glücksspiel). So sinkt die Anzahl der legalen und illegalen Glücksspielautomaten 2011 um 14% geg. VJ. Aber auch die Lizenzierung der Landesausspielung in Ober- und Niederösterreich trägt zu einer Marktbereinigung zulasten des grauen Marktes bei.
Spielbanken und Online-Gaming kannibalisieren Automatenmarkt
Nichtsdestotrotz wird 2011 im „Unterhaltungs-Glücksspiel“ (Kasinos, Automaten, Online-Gaming) insgesamt nicht weniger gespielt. Denn das sinkende Spielvolumen im „Kleinen Glücksspiel“ wird durch ein kräftiges Plus bei Kasinos und im Online-Gaming mehr als kompensiert. In beiden Spielarten wächst der Spieleinsatz kräftig um etwa 11% geg. VJ. Insgesamt steigen daher die Spieleinsätze im „Unterhaltungs-Glücksspiel“ um rund € 130 Millionen auf mittlerweile knapp € 12 Milliarden. Das Problem dabei: im Online-Gaming gibt es praktisch keinen Spielerschutz, hinsichtlich Einsatz und Spieldauer. Mehr als die Hälfte des Spieleinsatzes wird auf ausländischen Internet-Plattformen verspielt. Das unterstreicht einmal mehr die Notwendigkeit von zusätzlichen inländischen Lizenzen für das Online-Glücksspiel, um den Kaufkraftabfluss ins Ausland zu stoppen.
Aber auch für Kasinos hat der Gesetzgeber eine weitaus liberalere Regelung gefunden, als für Landesausspielungen oder VLT.
Aus Sicht eines besseren Spielerschutzes könnte man dem zweifelsohne negativen Trend daher nur durch eine bundesweite Umsetzung der Landesausspielungen entgegensteuern. Doch auf politischer Ebene läuft es aktuell genau andersrum. So machen sich Teile der SPÖ für ein bundesweites Verbot von Landesausspielungen stark. In Wien hat man bereits beschlossen, die Bewilligungen für das „Kleine Glücksspiel“ auslaufen zu lassen und danach keine Lizenzen für eine Landesausspielung zu vergeben. Doch ob damit das Ziel, Glücksspiel einzudämmen und Spielsucht zu verhindern auch nur ansatzweise erreicht werden kann, ist nach den aktuellen Marktzahlen wohl ungewiss.
Spieler-Befragung: Rund 80% werden Spielverhalten bei Automatenverbot nicht ändern
Gestützt wird eine kritische Haltung zu einem Automatenverbot durch eine Befragung von 402 Spielern in Automatenlokalen. Demnach erachten 2/3 der Befragten eine derartige Maßnahme als wirkungslos, um Spielsucht zu unterbinden. Lediglich 18% sehen darin eine zielgerichtete Maßnahme, 16% erwarten sich in Teilaspekten eine positive Auswirkung. Das Antwortverhalten resultiert im Wesentlichen aus einer Ableitung des eigenen Spielverhaltens bei einem Automatenverbot. Denn insgesamt 81% geben an, dass selbst bei einem Verbot von Glücksspielautomaten es „wenig wahrscheinlich“ oder „unwahrscheinlich“ ist, dass sie insgesamt weniger spielen als aktuell. Zum einen geht man davon aus, dass ein Verbot in der Praxis nicht lückenlos umgesetzt werden kann, also im gegebenen Fall auch auf illegalen Automaten gespielt werden kann. Zum anderen würde man in andere legale Glücksspielbereiche ausweichen. Für 40% der Befragten ist es „(sehr) wahrscheinlich“, dass sie stattdessen öfter ins Kasino (Spielbank) gehen. Für knapp ein Drittel der Befragten sind Sportwetten eine Alternative. 20% der befragten Spieler geben an, dass sie gegebenenfalls „(sehr) wahrscheinlich“ öfter im Internet spielen. Und 10% Befragten erachten es als „(sehr) wahrscheinlich“, dass sie stattdessen öfter ins Ausland fahren um zu spielen.
Wenngleich also ein Verbot der Landesausspielung praktisch kaum einen Einfluss auf das Spielvolumen in Summe hat, ist voraussichtlich ein negativer Effekt hinsichtlich Spielsucht zu erwarten, aufgrund des geringeren Spielerschutzes in den Substitutionsmärkten. Zweifelsohne wird es aber zu massiven Verschiebungen von Spieleinsätzen in andere Glücksspielbereiche kommen. „Und möglicherweise liegt hier der wahre Treiber für die „Verbots-Initiative“, so Studienautor Andreas Kreutzer.
Auf Basis der Erkenntnisse aus der aktuellen Marktentwicklung und den Ergebnissen der Spielerbefragung hat KREUTZER FISCHER & PARTNER | Marktanalyse in zwei Szenarien die Auswirkungen einer a) bundesweiten Umsetzung der Landesausspielungen und b) eines bundesweiten Verbots von Landesausspielungen simuliert:
Szenario 1 „Bundesweite Umsetzung der Landesausspielungen“: Durch die bundesweite Umsetzung der ordnungspolitischen Vorgaben (Reduktion der Automaten), schrumpft der Spieleinsatz bei „Unterhaltungs-Glücksspiel“ und Sportwetten gegenüber dem Marktvolumen 2011 um € 400 Millionen. Der Rückgang geht praktisch zur Gänze zulasten des Automatenmarktes.
Automatenverbot: Besitzer einer Bundeslizenz und Online-Bereich als Profiteure
Szenario 2 „Bundesweites Verbot der Landesausspielung“: Gegenüber Szenario 1 wächst der Spieleinsatz um € 210 Millionen, da in den Substitutionsmärkten mit höheren Einsätzen und zeitlich unlimitiert gespielt werden kann. Dadurch wird auch das durch ein Automatenverbot insgesamt geringere Glücksspielangebot überkompensiert. Bei einem Verbot der Landesausspielung werden rund € 2,5 Milliarden an Spieleinsätzen aus dem Automatengeschäft „frei“. Davon fließen rund € 1,1 Milliarden in Spielbanken und rund € 700 Millionen ins Online-Gaming. Mit einem deutlichen Zuwachs könnten auch die Automatencasinos mit Bundeslizenz (VLT) rechnen. Deren Betrieb wird ja bekanntlich von allen Seiten außer Streit gestellt, wenngleich für VLT hinsichtlich Spielerschutzes dieselben Regeln gelten wie für Automatencasinos auf landesrechtlicher Basis. Für das Bundesautomatenspiel errechnen wir ein Plus beim Spieleinsatz von 53% geg. dem Ergebnis aus 2011. Auch die Anbieter von Sportwetten profitieren von einem Verbot der Landesauspielung enorm (+65% geg. 2011), insbesondere die Spielform „Live-Wette“, die bekanntlich beinahe jenen kurzzeitigen Nervenkitzel erzeugt, den Spieler bei Glücksspielautomaten gewohnt sind. Auch bei Sportwetten gibt es keinen gesetzlichen Spielerschutz. Sportwetten werden in Österreich nicht als Glücksspiel betrachtet.
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Autor: Andreas Kreutzer
Die Berechnung wurde mit aller gebotenen Sorgfalt - aber ohne Gewähr - erstellt.